Accessibility Statement Jump to main content Jump to contact
Skip menu Abonieren Sie den RSS Feed!

Abgeschlossene Forschungsprojekt

Grün im Quartier – Anschlussprojekt an “Suburbane Restflächen”- die Nördliche Rietzschkeaue

Der öffentliche Raum ist in der sich transformierenden ostdeutschen Stadt einem starken Wandel ausgesetzt, sowohl was seine Gestalt, als auch, was seine Funktion und Nutzung betrifft. Er ist ein Spiegel der sich wandelnden städtischen Gesellschaft und verdeutlicht Aufbruch genauso wie Niedergang. Hier manifestiert sich der Wille zur Revitalisierung der Stadt in Form umfangreicher Aufwertungsarbeiten, hier ist die Bühne der urbanen Vielfältigkeit, hier zeigt sich aber auch das soziale Elend der Großstadt am deutlichsten.

Grünanlagen als Bestandteil des öffentlichen Raumes dienen im Quartier als Treffpunkt und Gemeinschafts-Raum, sie prägen das Stadtbild und sind Identifikations-Raum, sie bieten Platz für Spiel und Erholung und sind Frei-Raum, sie schaffen Verbindungen und sind Transit-Raum.
Diese vielfältigen sozialräumlichen Funktionen machen Grünanlagen unverzichtbar. Dabei darf jedoch nicht übersehen werden, dass nicht alle Bewohner die Anlagen gleich intensiv nutzen. In Abhängigkeit vom Zeitbudget, von der persönlichen Mobilität, von der Verfügbarkeit an privatem Wohn- und Freiraum, von der Lebenssituation und durch den Lebensstil geprägten Präferenzen ergeben sich ganz unterschiedliche Ansprüche an die Grünanlagen. Für manche sind die Parks ein unverzichtbarer Bestandteil ihres täglichen Lebens. Für viele andere bedeutet das jedoch auch, dass sie Grünanlagen selten oder nie aktiv nutzen. Das heißt jedoch nicht, dass die Anlagen ihren Sinn verlieren. Sie haben vielmehr auch als nicht aktiv genutztes Element des Wohnumfeldes eine wichtige Funktion. Sie steigern die Wohnqualität, indem sie das Stadtbild bereichern, einen Ruhepol bilden und natürlich durch ihre günstigen ökologischen Auswirkungen.Unterschiedlichste Nutzer mit vielfältigen Ansprüchen – das führt zu urbaner Lebendigkeit, aber auch zu Konflikten: als Quelle von Spiel- und Sportlärm, als Treffpunkt von Randgruppen, als Schauplatz von Vandalismus und Drogenkonsum können Grünanlagen schnell zum gemiedenen Ort und Störfaktor im Wohnumfeld werden. Als Bestandteil des öffentlichen Raumes spiegeln sie damit die Konfliktlinien wider, die sich quer durch die Gesellschaft ziehen. Der Zutritt ist nicht beschränkt, das Verhalten vergleichsweise wenig reglementiert, bei Regelbrüchen muss kaum mit Sanktionen gerechnet werden: Gegensätze treffen hier aufeinander wie sonst kaum irgendwo. Jung und alt, laut und leise, nüchtern oder im Rausch, mit oder ohne Hund – jeder kann sich hier Raum greifen.Trotzdem sind Grünanlagen kaum der Ort, an dem soziale Konflikte in direkte Konfrontation münden – viel häufiger sind Verdrängungsprozesse zu beobachten, die dazu führen, dass sich bestimmte Nutzergruppen buchstäblich aus dem Weg gehen und sich raumzeitlich variable Zonierungen bilden.Durch Verdrängungsprozesse werden Konflikte in öffentlichen Grünanlagen zunächst entschärft – doch Verdrängung schafft neue Probleme. Der Ausschluss bestimmter Nutzergruppen birgt die Gefahr von sozialen Ungleichheiten und kann zu einer gruppenspezifischen Unterversorgung mit öffentlichem Grün führen. Auch wenn es in Parks oft gerade die sonst benachteiligten Gruppen sind, die sich den Raum am erfolgreichsten aneignen, entspricht es nicht dem Sinn einer öffentlichen Grünanlage, nur für bestimmte Gruppen nutzbar zu sein. Die quartiersbezogene Funktion, eben Gemeinschafts-, Identifikations-, Frei- und Transit-Raum für alle Bewohner zu sein, kann dann nur noch eingeschränkt erfüllt werden. Grünanlagen sind in ihrer Eigenschaft als öffentlicher Raum ein wichtiges Potential für das Leben im Quartier, gleichzeitig aber gerade durch ihre Öffentlichkeit gefährdet und gefährdend. Sie sind letztendlich in ihrer Struktur, ihrem Zustand und besonders ihrer Nutzung als Indikator für die sozialen Prozesse im Quartier insgesamt zu betrachten.

Ziel des Forschungsansatzes ist es, ausgewählte Leipziger Grünanlagen hinsichtlich ihrer Funktion für die umliegenden Quartiere zu untersuchen. Dabei geht es zum einen um die Nutzungsstruktur in den Anlagen, zum anderen um die Akzeptanz der Grünanlagen als Bestandteil des Wohnumfeldes.

Folgende Parks wurden untersucht:

  • Arthur-Bretschneider-Park
  • Mariannenpark
  • Rabet
  • Reudnitzer Park
  • Eilenburger Bahnhof
  • Friedenspark

Es wurden bewusst Anlagen ausgewählt, die sich hinsichtlich Gestaltung, Ausstattung und Größe unterscheiden, um so einen breiten Überblick zu gewinnen. Eines jedoch ist allen Anlagen gemeinsam: sie liegen im Leipziger Gründerzeitgürtel und damit in einem hochverdichteten Stadtraum, der (zum Untersuchungszeitpunkt) von einem Mangel an Grün geprägt ist.
Eine schriftliche Anwohnerbefragung und Altersgruppen- stratifizierte qualitative Verfahren (Modellbau, Mental Maps) wurden zur Analyse der aufgeworfenen Fragestellungen herangezogen.

(Foto: Christel Eißner)

zurück zur Übersicht

Letzte Änderung: 24. April 2017