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Abgeschlossene Forschungsprojekte

Region als Marke: Fallstudie „Sächsisches Zweistromland“

Regionen stehen untereinander in einem sich ständig verstärkenden Wettbewerb. Technische Innovationen, wirtschaftliche Privatisierung und Deregulierung haben Menschen und Kapital in den vergangenen Jahrzehnten immer mobiler gemacht. Eine gleichzeitig stagnierende Binnennachfrage, die eng mit den Auswirkungen des demographischen Wandels verbunden ist, stellt viele Regionen vor immense Herausforderungen. Insbesondere ländlich geprägte Räume sind in mehrerlei Hinsicht intensiv von diesen Entwicklungen betroffen: Häufig ursprünglich mit einer produktions- und landwirtschaftlich orientierten Wirtschaftsausstattung sind sie überdurchschnittlich oft von Verlust an Bevölkerung und Kapital betroffen. Ausnahmen bilden ländliche Räume in unmittelbarer Umgebung von Agglomerationsräumen sowie solche mit herausragendem touristischen Potenzial. Wenn es darum geht, sich in diesem Wettbewerb zu behaupten, haben die Regionen einen Vorteil, die sich mit einem gemeinsamen Außenbild in der Wahrnehmung potenzieller Nachfrager (Investoren, Besucher, Einwohner) positionieren können.

Ein solches Bild zu entwickeln kann als zentrale Aufgabe von Institutionen angesehen werden, die sich der Vermarktung von Regionen widmen. Mancherorts mag ein solches Außenbild durch historische oder landschaftliche Gegebenheiten leicht erzeugbar sein, im Fall des „Sächsischen Zweistromland“ muss ein Image erst hergestellt werden. Damit wird die Erwartung verbunden, dass einerseits die Einwohner sich stärker für den Erhalt ihres Lebensraumes einsetzen und andererseits Unternehmen, Vereine und Verwaltungen sich mit den ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen am Regionalentwicklungsprozess beteiligen. Ein weiteres Ziel ist die Erhöhung der Wertschöpfung in der Tourismusbranche. Das Regionalmanagement hat sich dafür zur Aufgabe gemacht, nach Wegen zu suchen, die Wahrnehmung als Tourismusregion stärker im Bewusstsein der Bevölkerung und der Tourismusunternehmer zu verankern. Zunächst wurde als Ausgangssituation das Bild, das die Einwohner selbst zur Zeit von ihrer Heimatregion und dem Sächsischen Zweistromland haben, zu untersucht. Dazu wurden im Rahmen eines Projektseminars eine Telefonbefragung einer Einwohnerstichprobe und eine Erhebung von „Mental Maps“ durchgeführt. Als wichtigste Ergebnisse können festgehalten werden: Besonders die aktiven Bevölkerungsgruppen (junge Familien, Berufstätige) nutzen intensiv die Angebote des Sächsischen Zweistromlands bezüglich ihrer Versorgung und Freizeitgestaltung. Die verhältnismäßig großen Entfernungen zu den Oberzentren Leipzig, Dresden oder auch Chemnitz wirken sich diesbezüglich sogar positiv aus, da dadurch geringerer Anreiz besteht, diese Orte für Aktivitäten aufzusuchen und Kaufkraft dorthin abzuführen. Die Bekanntheit des Begriffs „Sächsisches Zweistromland“ darf positiv bewertet werden. Etwa die Hälfte der Befragten verbindet mit dem Begriff auch etwas, was sich auch mit den Ergebnissen der Mental-Map-Erhebung deckt, in der auch etwa die Hälfte der Probanden das Gebiet annähernd richtig verorten konnten. Die Einschätzungen der Region sind in vieler Hinsicht typisch für ländliche Räume. Sie werden als überwiegend freundlich und aufgeschlossen, jedoch auch als ruhig, traditionell und sicher wahrgenommen. Bezüglich der Zukunftsaussichten überwiegen zwar negative Assoziationen, die jedoch auch größtenteils außerhalb des Einflussbereichs der Genossenschaft und des Regionalmanagements liegen (allgemeinwirtschaftliche Lage). Positiv sticht die auch in Zukunft erwartete hohe Lebensqualität der Region hervor. I Bereich der touristischen Attraktivität wurden zwar landschaftliche Elemente und „die Natur“ als herausragende Merkmale der Region identifiziert, gelten aber bei den Einwohnern offenbar weniger als touristische Anziehungspunkte. Hier werden eher Sehenswürdigkeiten (v.a. Gebäude: Hubertusburg, St.-Ägidien-Kirche) genannt, wobei in dieser Kategorie eine starke Konkurrenz zu Leipzig und Dresden besteht. Auch wenn das Sächsische Zweistromland sicherlich nicht mit so spektakulären landschaftlichen Einzelelementen wie die Sächsische Schweiz oder das Erzgebirge aufwarten können, so birgt es doch einiges an Potenzial für einen sanften und ruhigeren Tourismus des Wanderns, Radfahrens und Kulturerlebens.

(Foto: Christel Eißner)

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Letzte Änderung: 24. April 2017