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Abgeschlossene Forschungsprojekte

Wasser- und Radtourismus entlang der Mulde (Abschnitt Leisnig-Grimma)

Während der Radtourismus seit langem eine herausragende Rolle in der Naherholung spielt, werden an den Wassertourimus in den neuen Bundesländern noch hohe Wachstumserwartungen geknüpft. Auch in und um Leipzig erfreut sich die Gewässernutzung stetig zunehmender Beliebtheit. Das Neuseenland im Süden, der Kulkwitzer See im Westen sowie die Mulde im Osten der Stadt sind nur einige der zunehmend frequentierten Ausflugs- und Erholungsziele. Für die Erschließung neuer und den weiteren Ausbau vorhandener Strecken wird die „Natur“ fortwährend durch menschliches Handeln gestaltet und umgestaltet. Es stellt sich nicht die Frage: ‚Wie viel anthropogene Überprägung verträgt die Natur?’, vielmehr geht es darum, wie man die touristische Nutzung an Gewässern so organisieren kann, dass zum einen alle Interessensgruppen miteinbezogen werden und zum anderen ein Natur schonender landschaftlicher Erlebniswert erreicht wird. Am Beispiel des Muldeabschnitts zwischen Leisnig und Grimma wurden Potentiale, Synergien und Konfliktfelder im Rad- und Wassertourismus aufgezeigt.

Ziel einer Kartierung entlang des Flusslaufs war, die vorhandenen Angebote an touristischer Infrastruktur für verschiedene Nutzergruppen, v.a. Rad- und Bootstouristen aufzunehmen und damit Angebotslücken und Orte möglicher Verbesserungen zu identifizieren. Deutlich wurde, dass zur Zeit noch wenige Anlegestellen für Bootstouristen zur Verfügung stehen. Dadurch besteht die Gefahr, dass auch Uferstellen zum Ausstieg genutzt werden, die aus Sicht des Naturschutzes besonders sensibel sind. Mit einer gezielten Platzierung von befestigten Ausstiegsstellen, die dann auch Einrichtungen zum Sichern der Boote haben sollten, könnten die Besucher auf verträgliche Standorte gelenkt und gleichzeitig auf Sehenswürdigkeiten und Gastronomie aufmerksam gemacht werden.

Im Rahmen der geführten Interviews mit Akteuren verschiedener Interessensgruppen im Muldenland kristallisierten sich folgende Konfliktfelder heraus: (i) einer wie auch immer gestalteten touristischen Nutzung stehen naturschützerische Belange entgegen; (ii) die kommunale Verwaltung befindet sich in einer Dilemmasituation bezüglich der Finanzierung von geforderten Natur- und Landschaftsschutzmaßnahmen auf der einen Seite und eines Ausbaus touristischer infrastruktureller Ausstattung aus ökonomischen Gründen auf der anderen Seite; (iii) zwischen Bootsanbietern und Naturschützern stockt die Kommunikation und (iv) zwischen größeren und kleineren Bootsanbietern wächst die Konkurrenzsituation. Trotz der zum Teil recht unterschiedlichen Problemwahrnehmung zeichneten sich in den Interviews auch potenzielle Lösungsansätze ab. Im kommunikativ-didaktischen Bereich lassen sich folgende Ansätze skizzieren: Ein intensiviertes adressatenspezifisches Umweltbildungsangebot vor Ort könnte die Touristen für gefährdete Umweltbereiche sensibilisieren, das dann letztlich in ein umweltbewussteres Handeln mündet. Auch sollten die verschiedenen Interessensgruppen mit Hilfe von Mediatoren gemeinsam an einem zukünftigen Ausbau „sanfter“ Tourismuskonzepte arbeiten, die nachdrücklicher auf die Verknüpfung und Stärkung vorhandener Potenziale setzen.

(Foto: Christel Eißner)

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Letzte Änderung: 24. April 2017